Glyphosa(a)t des Bösen – Gedanken zum Umweltschutz

Am 04.03.2019 titelte die Mitteldeutsche Zeitung in der Rubrik „in Kürze“ auf Seite 6 den folgenden kleinen Informationsartikel:

Bund setzt auf Glyphosat

BERLIN/DPA Der Ausstieg aus dem umstrittenen Unkrautgift Glyphosat ist Ziel der Bundesregierung. Dennoch hat die zuständige Behörde einem glyphosathaltigen Mittel eine bis Ende des Jahres befristete neue Zulassung erteilt. Insgesamt wurden laut Bundesamt für Verbraucherschutz 18 Pflanzenschutzmittel befristet bis 31. Dezember zugelassen, meist sind es neue. Glyphosat steht im Verdacht, krebserregend zu sein.

Ein Mitglied der FBM fragte neulich: „Sind wir eigentlich auch gegen Glyphosat?“ „Natürlich“, kam postwendend die Antwort, „es hat sich nur noch niemand mit dem Thema schriftlich auseinandergesetzt.“

Bis vor einigen Jahren war der Begriff „Glyphosat“ die Bezeichnung für irgendeine Chemikalie, versteckt hinter dem Namen „RoundUp“, der meist auf grünen oder weißen Literflaschen prangte und von einem oder mehreren grünen Blättern oder einer grünen Wiese geziert wurde. Dass es sich dabei um ein Pestizid handelte, war nur denjenigen bewusst, die sich ‚RoundUp‘ im Baumarkt kauften, um damit ihre Gehwege vor dem Haus unkrautfrei zu halten. Irgendwann sickerte durch, dass es sich um eines der gefährlichsten Pflanzenschutzmittel handelt, die es weltweit im freien Handel zu kaufen gibt. Vom Verdacht der Krebserregung war plötzlich die Rede, von chemischen Analysen und Gutachten, die voller Warnhinweise für die menschliche und tierische Gesundheit waren. In Auftrag gegeben und vorgestellt von Umwelt- und Verbraucherschutzorganisationen.

Es dauerte jedoch nicht lange und der große, weltweit agierende Bayer-Konzern wischte alle Warnungen und Rufe nach Verbannung des Mittels, welches mit hoher Wahrscheinlichkeit krebserregend sein sollte, vom Tisch. Natürlich mit einen Gegengutachten, das dem Verkaufsmagneten Glyphosat, alias RoundUp quasi eine Unbedenklichkeitsbescheinigung ausstellte. Von der hohen Wahrscheinlichkeit der Krebserregung war keine Rede mehr, lediglich von einem Verdacht. Nun kam diese ‚Schwarzmalerei‘ des Produktes genau zu dem Zeitpunkt an die Öffentlichkeit, als der Bayer-Konzern 2017 die amerikanische Firma Monsanto (den Erfinder des Pestizids und weiterer Risikotechnologien) einkaufte. Spekulationen und Rufe nach Neid wurden laut.

Gutachten folgten Gegengutachten folgten Gegengutachten. Böse Zungen könnten nun etwas zynisch behaupten, diese von der Bayer AG in Auftrag gegebenen Gutachten wurden vehement verteidigt und offenbar bei Kaffee und Kuchen aus rein biologischem, ergo glyphosatfreiem Anbau mit Staatssekretären und Ministern diskutiert. Denn urplötzlich machte man in Berlin eine 180°-Wende, was den Verdacht auf die Gefährlichkeit des Pflanzenschutzmittels anging. Eine eindeutige gesundheitliche Gefährdung sei durch den Verzehr von Lebensmitteln, welche während der Wachstumsphase mit Glyphosat behandelt wurden, nicht zu erkennen. Dies belegen immerhin die Gutachten eines Chemie-Riesen.

Die beruhigenden Worte konnten jedoch nicht jeden Politiker in Berlin überzeugen. Empfehlungen wurden ausgesprochen über ein Abstimmungsverhalten in Brüssel, bezüglich des weiteren großflächigen Einsatzes in der Landwirtschaft, Verhaltensweisen an Hobbygärtner herausgegeben, an die Vernunft von Landwirtschaftsbetrieben appelliert. Die Gespräche hierzu waren noch im Gange, als der damalige zuständige geschäftsführende Agrarminister und CSU-Abgeordnete heimlich den Brüssler Vertreter im Ministerrat anwies, für Deutschland die Zustimmung zur Weiternutzung abzugeben, entgegen der Empfehlung der Bundesregierung und somit Glyphosat für weitere 5 Jahre (Anmerkung: Verlängerung auf EU-Ebene gilt bis 2023, Mitgliedsstaaten können aber Glyphosat eher verbieten) offiziell auf den Feldern unserer Lebensmittel zum Einsatz kommen darf. Die Begründung dieses einzelnen Mannes: Ein Gremium der WHO kam gemeinsam mit anderen Bewertungsbehörden aus EU, Kanada und den USA zu dem Ergebnis, dass „nach dem derzeitigen Stand der Wissenschaft bei bestimmungsgemäßer Anwendung von Glyphosat kein gesundheitliches Risiko für den Menschen zu erwarten sei.“ Dieser Aussage schloss sich ein weiteres WHO-Sachverständigengremium an. Demnach seien „die über die Nahrung aufgenommenen Rückstände von Glyphosat beim Menschen wahrscheinlich nicht genotoxisch und nicht kanzerogen.“

Weitere Diskussionen unter Zweiflern, dass eine Wahrscheinlich doch schon ausreichen sollte, um Umwelt und Verbraucher zu schützen, wurden im Keim erstickt oder ausgesessen. Irgendwann war es auch die Presse müde, von immer neuen Gutachten zu berichten, oder vielleicht hat man auch den Überblick verloren. Jedoch war mit der eigenmächtigen Zusage des ehemaligen CSU-Ministers für die Weiternutzung des Pflanzenschutzmittels die Kuh zwar nicht vom Eis geholt, aber definitiv eingebrochen und stand nun mindestens bis zu den Knöcheln im Glyphosat-Schlamm.

Und wie zum Hohn all der Zweifler erlaubt die zuständige Bundesbehörde nun den Einsatz von weiteren neuen 18, darunter glyphosathaltigen Pflanzenschutzmitteln. Aber nur bis zum Ende des Jahres. Wahrscheinlich vorsorglich.